Shareconomy – Nachhaltigkeit ist Trumpf

  • Von Thomas
  • 25. September 2013
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Interview mit mietmeile.de-Vermieter Dirk Feldmann von lifethek.de

 

Dirk Feldmann 3 klein

Shareconomy ist das Buzzword des Jahres 2013. Wer dann auch noch das Thema Nachhaltigkeit sinnvoll in sein Shareconomy-Geschäft integrieren kann, hat schon die halbe Miete. Der Hamburger Unternehmer und Lifethek-Geschäftsführer Dirk Feldmann gründete vor ca. einem Jahr seinen Verleihshop in Hamburg Bahrenfeld. Von dort aus vermietet er ausschließlich nachhaltige Produkte, die sowohl fair gehandelt und nachhaltig produziert wurden als auch qualitativ hochwertig sind. Feldmann gibt einen Einblick in die Zukunft Deutschlands hinsichtlich der Idee der Collaborative Consumption, d.h. des gemeinschaftlichen Konsums und erläutert seine Hoffnungen für die Verleihbranche.

mietmeile.de: Was war der erste Artikel, den Sie vermietet haben?

Feldmann: Das war ein 6-Personen Zelt, das aussieht wie ein VW-Bulli.  Zelte sind einfach ein ganz klassisches Leihprodukt. In der Größe braucht man das ja nicht das ganze Jahr. Danach haben wir viele Bollerwagen verliehen und im Winter dann unheimlich viele Schlitten. Jetzt sind wir wieder mehr Richtung Fahrräder unterwegs, denn Mobilität für junge Familien ist momentan einfach ein großes Thema.

 

mietmeile.de: Sie legen besonderen Wert auf „nachhaltige Produkte.“ Worauf bezieht sich das genau?

Feldmann: Das bezieht sich auf die Produktionsverfahren. Ein gutes Beispiel ist die deutsche Firma Vaude, die Rucksäcke und Zelte herstellt, die wir auch im Sortiment haben. Vaude hat ein Zertifizierungsverfahren, bei dem Grundstoffe, Rohstoffe und Produktionsverfahren bewertet werden. Die Produkte sind zwar etwas teurer, sind aber dafür in der Gesamtbetrachtung sinnvoller, da sie länger halten und umweltschonend hergestellt sind.

 

mietmeile.de: Wollen Sie Menschen zum nachhaltigen Leben missionieren?

Feldmann: Nein. Wir wollen niemanden missionieren. Ich glaube, Leute in unserem Alter und in unserer Generation interessieren sich mittlerweile sehr dafür, wie, wo und unter welchen Umständen Produkte produziert werden. Wenn man dann die finanzielle Möglichkeit hat, sich für ein nachhaltiges Produkt zu entscheiden, glaube ich, werden alle sagen: Aus einer gewissen ethischen Motivation mache ich das. Wir als Firma schreien aber auch nicht „Green“ und „Öko“ vorweg, sondern empfinden diese Lebensweise als ganz normal.

 

mietmeile.de: Wo sehen Sie sich mit Lifethek in der Shareconomy-Landschaft positioniert?

Feldmann: Wir verstehen uns als Mitbegründer der deutschen Shareconomy-Landschaft. Es gibt ja zwei Ebenen des Geschäfts: Einmal die P2P-Ebene* und das B2C-Modell**.  Wir sind eine Firma, die eigene Mietartikel anbietet und einen eher kommerziellen Hintergrund hat. Ich habe festgestellt, dass das P2P-Konzept doch ein sehr schwieriges Thema in Deutschland ist. Das funktioniert in anderen Ländern besser, wo soziale Barrieren niedriger sind. In krisengerüttelten Ländern wie Spanien oder den USA sind die P2P-Konzepte viel erfolgreicher, da das Verleihen ein Weg zur Mikro-Ökonomisierung ist. Heißt also, ich kann mit meinen ungenutzten Ressourcen Geld verdienen. Das bewegt Menschen. Wir in Deutschland sind von der Krise weitestgehend verschont geblieben. Deshalb ist der Lifethek-Ansatz ganz interessant. Wir bieten Service und achten darauf immer saubere, gereinigte und hochwertige Sachen zu verleihen. Ich glaube, es ist eine Frage der Zeit, bis ein ganz großer Händler auch auf diesen Zug aufspringt und verstehen wird, dass man mit Leihprodukten auf einfache Weise einen Markt erreichen und Geld verdienen kann. Wenn es dann soweit ist, möchten wir schon in dieser Nische stehen und sagen können: Redet auch mal mit uns. Wir können das vielleicht.

 

mietmeile.de: Ist das Konzept der Collaborative Consumption, d.h. des gemeinschaftlichen Konsums,  schon in Deutschland bzw. in Hamburg angekommen?

Feldmann: In Deutschland ist einfach noch großes Potenzial. Ich finde z.B. den P2P-Autoverleih super und sinnvoll. Allerdings kann man da noch viel mehr rausholen. In England läuft diese soziale Vernetzung über das Auto sehr gut. Das ist in Deutschland noch nicht so richtig angekommen und wird es vielleicht auch nie. Dort gibt es einfach nicht die gleichen Berührungsängste wie hier. Grundsätzlich würde ich sagen, dass die ganze Branche hier in Deutschland schwer im Kommen ist und dabei aber auch eine etwas andere Form annimmt. Zum Glück ist Hamburg sehr offen, weshalb sich das Modell hier ganz gut entwickelt. Die Bereitschaft, Dinge zu akzeptieren und zu nutzen, ist oft sehr schnell da.

 

mietmeile.de: Was muss passieren, damit sich das Konsumverhalten der Deutschen bzw. der Hamburger verändert?

Feldmann: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, dass in mehreren Jahren die jungen Leute, die jetzt ein Bewusstsein für unsere Themen entwickeln, nachrücken werden und den klassischen Absatzwegen nicht mehr folgen werden. Was helfen könnte, wäre einfach mehr Denken, mehr Bewusstsein. Leute, die sich auch jetzt überhaupt nicht für dieses Thema interessieren, werden auch weiterhin alles genau so machen wie bisher. Außerdem ist das Angebot an Verleihprodukten noch sehr ausbaufähig. Wenn es mehr Verleihfirmen gibt und das ganze Thema auch noch ein bisschen schicker, normaler und „lifestyliger“ wird, werden das auch immer mehr Leute für sich entdecken. Das ist nur eine Frage der Zeit.

 

mietmeile.de: Wie sind Sie damals auf mietmeile.de gestoßen?

Feldmann: Ich hatte mir mal angeschaut, was es für Portale gibt und fand Mietmeile wirklich ganz gut, weil das Preismodell für uns interessant ist. Die Flexibilität, die offene Plattform finde ich gut und man merkt einfach, dass Menschen dahinter stecken, die das Ganze betreiben. Vielleicht habe ich mich auch ein bisschen angesprochen gefühlt, weil Mietmeile ein Hamburger Unternehmen ist. Wir haben auch ein paar andere Sachen getestet und über Mietmeile kommen einfach die meisten Anfragen. Für uns ist das ein ganz klares Zeichen, dass die Plattform gut funktioniert.

 

mietmeile.de: Vielen Dank für das Interview!

 

*P2P steht kurz für Peer to Peer und impliziert den Austausch von Dienstleistungen, Artikeln etc. unter Privatmenschen ohne einen unternehmerischen Hintergrund. Verleihportale bieten i.d.R. eine Plattform, um die Organisation des Austauschs und die Kontaktaufnahme zu erleichtern.
**B2C steht für den Business to Consumer-Markt. Damit gemeint ist ein Geschäft, das zwischen einem Unternehmen und einem Konsumenten stattfindet. Im Gegensatz zum P2P-Modell handeln hier Privatpersonen nicht untereinander

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