Momente mit Sahnehäubchen

  • Von Thomas
  • 6. Oktober 2011
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Es sind die kleinen Dinge, die das Leben schön und besonders machen. Erst die kleinen Gesten oder die versteckten Marotten unserer Mitmenschen verleihen ihnen ihre Eigenschaften und machen sie unverwechselbar. Im Eiltempo unserer Zeit gehen diese Details schnell verloren. Glücklich sind jene, die sich den Blick dafür bewahren. Die Kunst besteht darin, in den Kleinigkeiten des Alltags das Besondere zu erkennen. Oder diese Kleinigkeiten zu Besonderheiten zu machen. Schön kann es sein, sich in das Spiel des Windes mit dem Laub zu vertiefen. Schön ist der Moment, in seinem Milchschaum herumzurühren, bevor man den Latte trinkt. Um ihre Hochzeit unvergesslich zu gestalten, entscheiden sich Brautpaare manchmal zu einer Hochzeit im Ausland. Romantisch sind sicher Frankreich und Italien. Doch besonders ist eine Hochzeit in Dänemark.

Die Schrullen unserer Mitmenschen erscheinen uns mitunter wunderlich, vielleicht auch nervtötend, aber sie machen den Menschen unverwechselbar. Kuriose Beispiele sind historisch belegt. Der Habsburger Leopold I. war zwar häßlich wie die Nacht, komponierte aber mit großem Talent und feierte seine Herrscher-Herrlichkeit mit selbstkomponierten Opern und rauschenden Festen. Albert Einstein trug niemals Socken, weil seine große Zehen immer Löcher in die Socken bohrten. Charles de Gaulle sprach von sich in der dritten Person.

Auch Charlie Chaplin vermochte es, mit seinen Marotten seine Mitmenschen zu unterhalten. So verabscheute er beispielsweise Hunde so sehr, dass er wochenlang überlegt haben soll, den gerade erst der Tochter geschenkten Pudel „Confetti“ kidnappen zu lassen. Blumen mussten tagsüber aus dem Haus entfernt werden, weil sie angeblich „den Sauerstoff in der Luft verbrauchen“. Wenn es regnete, zog sich der Multimillionär oft „Vitaminpillen kauend“ tagelang ins Bett zurück. Ganz oben auf der Liste seiner Aversionen standen jedoch Kinder, obgleich allein aus der Ehe mit seiner Frau Oona sechs „Sprösslinge“ hervorgegangen waren. Nur mit Mühe konnte ihn sein Architekt davon abbringen, sie in einer „separaten Behausung“ unterzubringen.

Foto: corbis.com

Maurice Garin gewann 1903 die erste Tour de France und eigentlich auch die zweite ein Jahr danach, wurde aber 1904 disqualifiziert, weil er einige Streckenabschnitte kräftesparend per Eisenbahn und Auto zurückgelegt hatte. Bauern aus der Umgebung, bei denen er einen Anhänger mieten konnte, halfen ihm beim Transport seines Fahrrades. Er war Kettenraucher und hatte bei Radrennen oft eine Flasche Rotwein dabei. Im frühen 20. Jahrhundert waren die Ansichten über die geeignete Stärkung unterwegs eben noch ein wenig weiter gefasst. Dennoch wurde Maurice Garin 86 Jahre alt, praktisch als medizinisches Wunder seiner selbst.

Im Jahre 1928 nahm Kurt Tucholsky als Peter Panter einmal die kleinen Dinge unter die Lupe, die einem so schmeicheln. Dazu gehört es, in einer alphabetischen Liste an der Spitze zu stehen. Oder ein schlechter Schüler gewesen zu sein. Oder eine Adresse auswendig zu sagen, derentwegen sich alle den Kopf zerbrechen. Ähnlich famos sind die Beobachtungen, die Amélie zu Beginn des Films „Die fabelhafte Welt der Amélie“ anstellt. Alle kleinen Dinge finden täglich um uns herum statt. Wir müssen nur hinschauen, sie entdecken und den Blick dafür bewahren. Sie sind es, die jeden Tag einzigartig machen.

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